Für eine Offshore-Öl- und Gas-Jacket-Plattform mit entdeckten Struktur-Rissen wurde basierend auf der Engineering Critical Assessment (ECA)-Technik eine Methode zur Bewertung der strukturellen Integrität und zur Festlegung von Wartungszyklen entwickelt, und eine Fallanalyse an einer bestimmten Jacket-Plattform durchgeführt. Die Morison-Gleichung wurde zur hydrodynamischen Analyse der Zielplattform verwendet, um die Grenzlasten der kritischen Knoten der Plattform abzuschätzen. Die kritischen Knoten wurden mittels Finite-Elemente-Methode und linearer Extrapolation heißer Spannungslinien auf Hot-Spot-Spannungen bewertet. Das Rissausbreitungsverhalten an den kritischen Knoten wurde anhand der Paris-Gleichung simuliert, wobei die Spannungsintensitätsfaktoren an der Rissspitze ermittelt wurden. Mittels eines Failure Assessment Diagram (FAD) wurde eine ECA-Bewertung der betreffenden Risse vorgenommen und der Bereich kritischer Risse angegeben. In Kombination mit der kritischen Risstiefe und der Rissausbreitungsbeziehung wurde ein Referenzwartungsintervall vorgeschlagen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbindungen der horizontalen Stäbe mit den Säulenknoten anfällig für Ermüdungsschäden sind. Die Failure Assessment Bewertung zeigt, dass bei der Tiefe der Risse überwiegend Einbruchversagen auftritt, während in Längsrichtung der Risse sowohl Einbruch- als auch Rissversagen möglich sind. Für die in der Fallanalyse betrachtete Plattform wird empfohlen, eine kritische Risstiefe von 5,3 mm und eine kritische halbe Rissbreite von 9,8 mm zu berücksichtigen. Werden Risse zwischen 0,5 und 2,0 mm erkannt, wird empfohlen, die Wartung innerhalb von 13,2 bis 5,2 Stunden abzuschließen. Die Methode kann auf die Bewertung entdeckter Risse an ähnlichen Offshore-Öl- und Gasplattformen in den umliegenden Gewässern ausgeweitet werden.